Marktübersicht Hochdruckreiniger
Der Markt an Hochdruckreinigern ist kaum noch überschaubar. Zahlreiche Hersteller bieten ein bis fünf Modelle an. Marktführer Kärcher (auch Karcher oder Kaercher) präsentiert ein sehr differenziertes und umfangreiches Programm an Geräten, vom einfachsten Haushaltsgerät bis zum Standgerät für Industrie und Produktion. Die Erfahrung von Kärcher spricht Bände und ist sicher ein Kaufargument.
Dennoch werden gerade Hochdruckreiniger oft ohne genaueres Studium der
Angebote gekauft. Dies liegt wohl daran, dass in den meisten Haushalten Hochdruckreiniger eher Luxusartikel sind. Das lässt sich leicht begründen. Private Haushalte verwenden Hochdruckreiniger im außerhäuslichen Bereich und wenn es gutes Wetter ist. Dann wird mal die Terrasse abgespritzt oder eine Hauswand. Vielleicht ist auch mal der Pool dran oder der Anhänger. Wer keine konkreten, regelmäßig wiederkehrende Arbeitsaufgaben für den Hochdruckreiniger sieht, kauft ihn meist bei einer günstigen Gelegenheit, was das vergleichsweise große Angebot an Billigprodukten erklärt.
Dabei kann man nicht unbedingt davon abraten. Wird ein Hochdruckreiniger wirklich nur ein- bis zweimal im Jahr benötigt, lohnt sich der Kauf eines teuren Gerätes oft nicht. Alternativ zur Anschaffung eines Billiggerätes sollte aber auch darüber nachgedacht werden, ob man es sich nicht bei Bedarf im Fachgeschäft - z.B.
im Baumarkt - leihen kann. Vielleicht kann man auch mit mehreren Interessierten zusammenlegen und das Gerät bei Bedarf reihum gehen lassen. Gegen das Ausleihen sprechen allerdings einige wichtige Argumente, die jedem sofort einfallen, der öfter mit dem Gerät längere Zeit arbeiten muss. Durch die Bedienung mehrerer Unkundiger kann das Gerät schnell Schäden erleiden, es sind nicht immer mehr alle Zubehörartikel vorhanden und die Anleitung verstaubt meist irgendwo in einem Karton.
Wer sich nicht über das Gerät ärgern möchte, sollte sich also sehr vor dem Kauf informieren. Der Informationsbedarf betrifft dabei die Marktlage und der eigene Bedarf.
Die Einsteigerklasse
In der Einsteigerklasse unterhalb von 50 Euro werden immer mal wieder Billigprodukte angeboten. Teilweise ist bereits aufgrund mechanischer und sicherheitsrelevanter Mängel von diesen Modellen abzuraten. Allerdings gibt es durchaus auch Ausnahmen. Das Kärcherprogramm beginnt bereits knapp unter 50 Euro mit der K2-Serie, genauer, dem Kärcher K 2.00. Das Gerät kann einen Wasserdruck von bis zu 100 bar erreichen. Dabei fließen 340 l Wasser pro Stunde durch das Gerät. Zugeleitet werden darf Wasser mit bis zu 40° C. Die kompakten Außenmasse und das geringe
Gewicht von 3,6 kg sind sehr bedienfreundlich. Kärcher liefert die Modelle der K2-Serie mit und ohne Zubehör, was sich natürlich auf den Preis auswirkt. Ob man gleich auf ein ganzes Paket an Zubehörartikeln setzt oder erst später nachkauft, ist nicht nur eine Frage der Kosten, sondern auch des akuten Bedarfs. Auf jeden Fall sollte sich der Käufer darüber im Klaren sein, welche Tätigkeiten mit dem neuen Gerät anvisiert werden. Wer noch nie einen Hochdruckreiniger bedient hat, sollte sich im Fachgeschäft ein gutes Gerät mit umfangreicher Ausstattung ausleihen und an den geplanten Einsatzorten Erfahrungen sammeln.
In der 60 Euro Klasse, die man getrost als eigentliche Einsteigerklasse bezeichnen kann, bieten Kärcher mit dem K 2.01 und Güde mit dem HPC 140 plus sowie Brüder Mannesmann mit dem M12981 bereits recht ordentliche Geräte an. In dieser Klasse ist eine gewisse Grundausstattung meist vorhanden. Die Hochdruckreiniger erzeugen einen Druck von rund 100 bis 130 bar und schleusen etwa 300 bis 350 l/h durch ihr Inneres. Wie bei den meisten Geräten unterhalb von 200 Euro wird auch hier der einfache Stromanschluss mit 220V benötigt.
Bereits am oberen Rand der Einsteigerklasse zwischen 80 und 100 Euro werden Modelle angeboten, die entweder über eine höhere Qualität oder über eine umfangreichere Ausstattung verfügen. Der Nilfisk – Alto C 100.1/5 zum Beispiel überzeugt mit einer soliden Mechanik. Bei Kärcher gibt es für rund 100 Euro schon den 2.36M plus inklusive T50. Der T50 ist ein externer Terrassenreiniger. Das Modell M12985 von Brüder Mannesmann erreicht 140 bar Wasserdruck und versprüht bis zu knapp 400l/h. Interessant ist der Waschmitteltank in dieser Preisklasse. Hier kann ein chemischer Reiniger eingefüllt und in den Reinigungsprozess integriert werden. Ein pfiffiges Modell bietet Bosch in dieser Preislage. Der Aquatak Go ist mit seinem vierrädrigen Fahrwerk deutlich mobiler als die üblichen Standgeräte, deren zwei Räder den Transport erleichtern. Der Bosch Aquatak Go läuft dem Anwender wie ein Staubsauger hinterher. Dies ist vor allem auf glatten bzw. ebenen Untergründen von Vorteil. Die einfache Ausführung nimmt 1050 Watt Strom auf und lässt 300 l Wasser pro Stunde passieren. Der Bosch Aquatak Go Plus ist mit den Werten 1300 Watt und 320l/h geringfügig leistungsfähiger.
Mittelklasse / Komfortklasse
Bei ungefähr 200 Euro kann der Kunde schon deutlich mehr erwarten. Der Wasserdruck ist bei einigen Modellen bereits stufenlos regelbar von 20 bis ca. 140 bar. Auch ein Reinigungsmittelbehälter gehört hier in der Regel zur Grundausstattung. Der Wasserdurchlass liegt bei 400 bis 450l/h. Güde offeriert in dieser Klasse bereits ein Gerät mit 4-Takt-Benzin-Motor, der rund zweieinhalb PS leistet. Die Werte für Wasserdruck und Durchlassmenge sind klassentypisch. Wegen des Motors ist das Gerät auf einem tragbaren Grundrahmen ohne Räder angebracht. Motorbetriebene Geräte lassen sich auch dort einsetzen, wo zwar Wasser zur Verfügung steht, aber kein Stromanschluss.
Gehobene Klasse
Für Preise zwischen 350 und 400 Euro werden schon Geräte angeboten, die für professionelle Einsätze konzipiert sind. Kärcher offeriert in dieser Preisklasse zum Beispiel den K 7.91MD Plus mit dem Terrassenreiniger T300. Der Wasserdruck ist von 20 bis 160 bar regulierbar. Der Wasserdurchlass erreicht bis zu 570l/h. Das Gerät verfügt über zwei Reinigungsmitteltanks. In der gleichen Preisregion bietet Kärcher aber auch einen benzinbetriebenen Hochdruckreiniger vom Typ G 4.10 M. Von Kränzle kann der 10/120 erworben werden. Ein tragbares Gerät ohne Räder. Der Wasserdruck ist von 10 bis 120 bar variabel. Bis zu 600l/h können gefördert werden. Dabei handelt es sich immer noch um ein Gerät, dass über einen normalen Stromnetzanschluss (230 Volt, 2500 Watt) verfügt. Bosch setzt in dieser Preisklasse auf das Modell Aquatak Clic 130 mit bis zu 130 bar Wasserdruck. Die Förderleistung liegt bei 430l/h. Die Zulauftemperatur darf bereits 60 Grad betragen. Als Besonderheit fällt die 4-Jet-Lanze auf. Mit einer Spitze können hier vier verschiedene Betriebszustände eingestellt werden: Flachstrahl, rotierender Punktstrahl, feststehender Punktstrahl und Niederdruck-Strahl, etwa zum Einweichen oder Abspülen.
Professionelle Geräte
Ein kurzer Ausblick in die oberen Preisregionen hilft, die Marktlage einzuordnen. Der Kränzle Hochdruckreiniger Profi 15/120 TS T zum Beispiel liegt bei etwa 1.000 Euro. Der Wasserdruck kann zwischen 10 und 120 bar eingestellt werden, die Wasserdurchlassmenge erreicht bis zu 900l/h. Das Gerät verfügt über einen Zusatzmittelinjektor und benötigt einen Kraftanschluss (Drehstrom, 400 Volt, 3800 Watt). Es wiegt 41 kg.
Für den professionellen Bereich liefert Kränzle noch zahlreiche andere Hochdruckreiniger. Der Kränzle therm 1165-1 zum Beispiel siedelt sich preislich weit jenseits von 3.000 Euro an. Dafür wird ein Gerät angeboten, das im Heißwasserbetrieb zwischen 30 und 80 Grad eingestellt werden kann. In der Dampfstufe sind bis zu 140 Grad Celsius drin. Der 1165er benötigt einen Kraftanschluss (400 Volt, 7500 Watt) und verfügt über eine Schlauchtrommel. Der Wasserdruck ist stufenlos regelbar von 30 bis 165 bar, die Durchlassmenge erreicht 1165l/h.
Zur gewerblichen Kompaktklasse könnte man den Kärcher 698 C Eco rechnen. 30 bis 160 bar Wasserdruck lassen 300 bis 650 Liter Wasser pro Stunde passieren. Das Wasser wird mittels Heizung (16l Heizöltank) aufgeheizt. Benötigt werden nicht nur ein Kraftanschluss, Wasserzuleitung sowie Heizöl, sondern auch 4500 Watt pro Stunde und etwa 2.000 Euro für die Anschaffung.
Für professionelle Aufgaben offeriert auch Nilfisk-Alto einige Hochdruckreiniger. Der Neptune 8-103 zum Beispiel liegt je nach Zubehörpaket zwischen 5.000 und 10.000 Euro. Geboten werden Heißwasserstrahl bis 140 Grad, 180 bar Wasserdruck und 2.000l/h Wasserdurchlauf. Die extrem solide Verarbeitung spiegelt sich unter anderem in der Verwendung von Keramik für die Kolben wieder. Der Nilfisk-Alto Neptune 8-103 wird per Kraftstrom (Drehstrom, 400 Volt, 12.000 Watt) betrieben.
Zusammenfassung der Marktübersicht
Die technischen Daten, mit denen viele Anbieter ihre Produkte anbieten und teure von billigen Hochdruckreinigern zu unterscheiden versuchen, sind für den Laien meist wenig brauchbar. Ob der maximale Wasserdruck 110 bar erreicht oder 120 bar ist sicher kein Mehrpreis von 100 Euro wert. Auch die Wassermenge sagt letztlich nicht viel über die Effektivität aus, auch wenn sie Aufschluss über die Förderleistung gibt. Ein guter Gartenschlauch kann bis zu 3.000 Liter Wasser pro Stunde fördern und schlägt damit die besten Hochdruckreiniger. Gerade der geringere Wasserverbrauch ist ja ein Argument für Hochdruckreiniger.
Entscheidender ist sicher die Stabilität der Leistungen. Brauchbar ist ein maximaler Wasserdruck, der auch für eine Stunde oder mehr gehalten werden kann, ohne dass der Pumpe der Druck ausgeht und der Motor verglüht. In der Regel reicht ein dauerhaft lieferbarer Druck von 100 bar dicke aus. Bei der Fahrzeugreinigung zum Beispiel sollte der Druck geringer sein, weswegen eine stufenlose Einstellbarkeit des Wasserdrucks Sinn macht. Kosten treibend – und je nach Bedarf auch sinnvoll – sind Kraftstromanschluss, Reinigungsmitteltank(s), Reinigungsmittelinjektion, Mobilität durch tragbaren Rahmen, 2 kleine, 2 große oder 4 Räder sowie die im Paketpreis enthaltene oder im Zubehör erwerbbare Ausstattung an Düsen, Lanzen usw. Wer sich ein billiges Komplettpaket kauft, sucht dann vielleicht vergebens nach weiterem Zubehör oder Ersatzteilen. Namhafte Hersteller mit breiten Produktpaletten wie Kärcher bieten jede Menge nachlieferbares Zubehör
Auch für die Mobilität offeriert Kärcher eine neue Entwicklung: Den Akku-Hochdruckreiniger, der wie ein Rucksack am Körper getragen werden kann. Der Kächer HC 10 leistet im Akkubetrieb 20 bis 40 bar Wasserdruck, im alternativen Netzbetrieb bis zu 110 bar. Pro Stunde können 250 bzw. 400 Liter Wasser gefördert werden.
Das Beispiel des HC 10 von Kärcher im Vergleich zu einem Neptune von Nilfisk-Alto demonstriert die Frage nach den Anforderungen. Hier sollte der Kunde, der regelmäßig ein solches Gerät in Betrieb nimmt, sehr genau den eigenen Bedarf definieren und einen Hochdruckreiniger als mittel- bis langfristige Anschaffung verstehen.